Wirkungsprinzipien

Auch die Pythagoreer glaubten, wie schon die Naturphilosophen, an die Seelenwanderung. Der Weg der Reinigung, der aus Askese, geistiger Arbeit (Philosophie und Mathematik), und Gymnastik bestand, muss beschritten werden, um die Seele aus ihrem Grab, dem Leib, zu befreien. Der pythagoreische Lebensstil folgt dem Ideal der Freundschaft und Verbrüderung aller Menschen.
In der Zahl sahen die Pythagoreer das Formgebende, wodurch das Unbestimmte zu einem Bestimmten wird. Wo immer Zahl und Form sind, müssen auch Gezähltes und Stoff sein, wenn Zahl und Form einen Sinn haben sollen.
Der Harmoniegedanke zeigt sich in der Lehre vom ewigen Kreislauf aller Dinge. Der Weltprozess vollzieht sich nicht geradlinig, sondern in großen Zyklen. Philolas, ein Anhänger des Pythagoras, erkannte, dass die Erde nicht im Mittelpunkt des Kosmos steht.

Heraklit nimmt mit seiner Theorie, dass alles fließt, eine extreme Position ein. Feuer ist für ihn das Symbol für die ewige Unruhe des Werdens mit seinem ständigen Auf und Ab, für die Weltvernunft. Das Werden ist eingespannt in Gegensätze und gerade diese Gegensätze bedeuten Ordnung und Einheit, d.h. gegenstrebige Fügung wie Bogen und Leier.

Parmenides unterscheidet zwei Wege: den Weg der Wahrheit, den die Philosophen gehen und den Weg der Meinung, den die gewöhnlichen Sterblichen gehen. Der Weg der Wahrheit führt zum Sein, zur ewig bleibenden Wahrheit, der Weg der Meinung führt zum Schein, der für ihn im Bild des Werdens und der Vielheit der Welt liegt. Parmenides sagt, ein Werden gibt es nicht, es gibt nur ein Sein. Das Werden, das Fließende, ist für ihn Nichtsein, weil es nicht bestehen bleibt. "Sein" ist etwas Statisches im Sinne von Ruhen. Es liegt in ewiger Ruhe starr vor uns.

Empedokles hat den Gedanken des Mechanischen. Er unterscheidet die vier Ursubstanzen Feuer, Wasser, Luft und Erde. Durch Mischung und Trennung ist aus ihnen alles entstanden. Werden und Vergehen entsprechen Mischen und Trennen. Seine Ursubstanzen heißen auch Zeus, Here, Nestis und Adoneus, wodurch seine Sicht auf das Dämonisch-Göttliche deutlich wird. Empedokles' Idee des Elementes und seine Idee von der Ewigkeit des letzten Baustoffes der Welt finden ihre Entsprechung später im "Gesetz von der Erhaltung der Substanz". Die Ursubstanzen kommen durch zwei Urkräfte in Bewegung, durch Liebe und Hass.

Demokrits Atomlehre ist der Beginn der quantitativ-mechanistischen Naturbetrachtung. Alle Stoffe bestehen aus Atomen, die durch Druck und Stoß im leeren Raum in Bewegung geraten. Über den Ursprung der Bewegung sagt er leider nichts. Auch Gefühle und Denken sind für ihn Atombewegung.

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